Termin

Zur Anmeldung

7. Psychoanalytische Herbstakademie

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3. - 6. Oktober 2018 in Heidelberg 

Romanisches Seminar der Universität Heidelberg, Seminarstraße 3 

Wir laden herzlich ein zur 7. Psychoanalytischen Herbstakademie der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft in Kooperation mit dem Romanischen Seminar der Universität Heidelberg (Prof. Dr. Gerhard Poppenberg). 

In diesem Jahr wollen wir uns mit „Scham und Schuld“ befassen, zwei schwierigen Gefühlen, die aber zum Menschsein gehören wie Sprache, Lachen, Humor, Selbstreflexion - all das, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Wenn wir sagen: Schuld und Scham fangen bei Adam und Eva an, dann meinen wir damit nicht nur, dass es sich um Erfahrungen, Eigenschaften, Fähigkeiten und Gefühle handelt, die `schon immer´ da waren, sondern wir sprechen damit auch die Paradiesgeschichte an. Der Schöpfungsmythos kann einerseits verstanden werden als Metapher für den Austritt des Menschen aus der Instinkt gesteuerten Welt der Tiere, andererseits als Metapher für die individuell kindliche Entwicklung. 

Adam und Eva essen verbotenerweise vom Baum der Erkenntnis. Als „der Herr“ sie ruft, erschrecken sie, weil ihnen ihre Schuld und ihre Nacktheit bewusst werden. Eva möchte ihre Schuld der Schlange zuschieben, Adam seine Verantwortlichkeit an Eva abgeben. Aber beide werden aus dem Paradies vertrieben und müssen sich fortan den Mühen des Lebens stellen, im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot essen und sterblich sein. 

Mit der Loslösung aus der Tierwelt muss der Mensch sich zwar mit Schmerz, Mühe, Angst, Schuld und Scham plagen, zugleich aber gewinnt er Freiheit der Entscheidung durch Fähigkeit zum Denken, zum Wissen-wollen, zur Reflexion, Kreativität und Sexualität. 

Hier wird auch ein Aspekt der psychischen Geburt eines jeden Menschen beschrieben. Aus der grenzenlosen paradiesischen Sicherheit und dem Einklang mit der `höchsten Macht´, den Eltern, müssen wir uns lösen und eigenverantwortlich werden. Dabei müssen wir auch die Begrenztheit unserer Möglichkeiten anerkennen, uns aussöhnen mit unseren Unzulänglichkeiten und unserem Versagen, Idealen zu entsprechen. Ebenso wenig können wir den Menschen, die uns wichtig sind, immer nur Freude bereiten. Und neben neurotischen Schuldgefühlen gibt es auch die tatsächliche Schuld, die getragen werden muss und die besonders schwer auszuhalten ist, wenn nichts wieder gut gemacht werden kann. 

All das kann, wenn wir denn vom Baum der Erkenntnis essen und bewusst leben wollen, große Ängste auslösen. Auch wollen wir uns oft verstecken angesichts unserer Schuld, unserer Verantwortlichkeit, unserer Begrenztheit. Wir schämen uns dann, verleugnen, verdrängen und suchen noch andere Abwehrmechanismen, ohne jedoch dadurch zufrieden und frei zu werden. 

In der psychoanalytischen Herbstakademie 2018 befassen wir uns auf vielen verschiedenen Ebenen mit den daraus folgenden Störungen, Erscheinungen und Verwicklungen in Individuen und Gesellschaft. 

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und spannende Diskussionen mit Ihnen! 

Klaus Grabska (Vorsitzender der DPG) 

Kalliope Eberhard-Rittmann, Hedwig Eisele, Maria Heiming, Bettina May-Jung, Vorbereitungsgruppe des Instituts der DPG in Heidelberg, des IPHD.

Organisatorisches

Tagungsort 
Universität Heidelberg, Seminarstraße 3, 69117 Heidelberg 

Anmeldung 
Bis zum 20. 09. 2018 erbeten. 

Für auswärtige AusbildungskandidatInnen und StudentInnen steht ein Kontingent an privaten Unterkünften zur Verfügung. Interessenten an einer privaten Unterkunft melden sich bitte bei eberhardt.rittmann@gmail.com 

Registrierung 
Bitte nehmen Sie Ihre Anmeldung über die Homepage der DPG www.dpg-psa.de vor. Bei Fragen wenden Sie sich an die Geschäftsstelle der DPG. Goerzallee 5, 12207 Berlin, Tel: 030 / 84 31 61 52 Mail: geschaeftsstelle@dpg-psa.de 

Stornierung 
Bis zum 20. 09. 2018 wird die Teilnahmegebühr voll erstattet; bis zum 25. 09. 2018 zu 50 %, danach verfällt die Tagungsgebühr. 

Zertifizierung 
Beantragt bei der Psychotherapeutenkammer Stuttgart. 

Romanisches Seminar 
Bachelor-Studierende der Neuphilologischen Fakultät können einen Leistungspunkt für das Modul ‚Übergreifende Kompetenzen‘ erwerben. Abgabetermin für den Leistungsnachweis ist der 24. 10. 2018. Nähere Informationen unter engelbrecht@uni-heidelberg.de

Programm

7. Psychoanalytische Herbstakademie, 3. – 6. Oktober 2018 in Heidelberg

Mittwoch

15.00 – 16.00

Begrüßung und Einführung

Beate Blank-Knaut (aus dem Vorstand der DPG)

Maria Heiming (aus der Vorbereitungsgruppe des IPHD)

Patrick Suhm liest einen Text aus Sigmund Freud „Die Traumdeutung“

mit Cello Begleitung, von Friederike Kienle

16.00 – 17.30

Gerhard Poppenberg

„Jenseits von Schuld und Scham - Nietzsches Genealogie der Moral und die Folgen“

17.30 – 18.00

Kaffeepause

18,30 – 20.00

Vera Kattermann

„Gesellschaftliche Schuldbearbeitung in der südafrikanischen Wahrheitskommission“

 

Donnerstag

9.00 – 10.30

Svenja Taubner

„Körperliche Gewalt als Folge nicht-mentalisierter Scham“

10.30 – 11.00

Kaffeepause

11.00 – 12.30

Maria Heiming

„Scham und Schuld – Ihre Bedeutung für Intimität und Begehren“

14.30 – 16.00

3 Arbeitsgruppen:

- Gerhard Poppenberg: zum Vortragsthema am Mittwoch

- Kalliope Eberhardt-Rittmann

„Scham und Schuld – Wo man sie nicht vermutet“

Fallbeispiele aus Psychoanalysen

- Bettina May-Jung

„Schuldgefühle hinter der Angst“

Überlegungen zum Ursprung der Schuldgefühle

Anhand einer Vignette

16.00 Kaffeepause

20.00 – 21.30

Gabriele Brandner

„The Salesman“ Asghar Farhadi (2016)

Filmvorführung und Diskussion

 

Freitag

9.00 – 10.30

Timo Storck

„Angst, Schuld, Scham – Welche Rolle spielt Affektabwehr im psychischen Konflikt?“

10.30 – 11.00

Kaffeepause

11.00 – 12.30

Bernhard Winkler

„Sonnengötter & Sodomie. Der letale Schamkonflikt in Racines Phaedra“

14.30 – 16.00

3 Arbeitsgruppen:

- Timo Storck: Zum Vortragsthema

- Bernhard Winkler: Zum Vortragsthema unter Ergänzung 

Popkulturelle Themen

- Gabriele Brandner

Reflexionen über Scham und Schuldgefühl an Hand eines literarischen Beispiels: Marie Ndiaye „Drei starke Frauen“

16.00 Kaffeepause

19.00 – 20.30

Annegret Moritz

Louise Bourgeois: „Ich vergebe nicht und ich vergesse nicht.“

Beschämung und Rache

20.30 – open end

Unter der Regie der AusbildungskandidatInnen des IPHD

„Freuds Bar - abseits von Schuld und Scham“

Nach einer Vielzahl von Vorträgen und Workshops wollen wir uns ganz ohne Schuld und Scham zusammenfinden, um zwanglos bei einem Imbiss, Wein und Musik ins Gespräch über die Herbstakademie, die Ausbildung zum/r Psychoanalytiker/-in oder vieles Andere zu kommen! Gerne assoziativ gelockert und weitschweifig, nicht aber „abstinent“ oder „technisch neutral“!

 

Samstag

9.00 – 10.30

Lutz Götzmann

„Jenseits des Überichs: Ansätze zu einer psychonalytischen Ethik der Fairness“

11.00 – 12.30

Franz Peter Plenker

„Zur Konzeption der negativen therapeutischen Reaktion bei Sigmund Freud und Joan Riviere“

13.00 – 14.00

Feedback, Evaluation und Verabschiedung

Ort: Heidelberg

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