Bericht von der Teilnahme an der 28. Kasuistisch-Technischen Konferenz der DPG in London

von DPG

Am 11. Juni bin ich von Hamburg nach London geflogen, um an der 28. Kasuistisch-Technischen Konferenz teilzunehmen. Diese fand vom 12. bis 14. Juni 2026 statt — für mich war es das erste Mal. 

Am Freitag begann die Veranstaltung in der mit zahlreichen psychoanalytischen Werken ausgestatteten Bibliothek des Psychoanalytischen Instituts. Zunächst stellte eine Kollegin aus Berlin einen Fall vor, der Supervisor war Fakhry Davids aus der kleinianischen Gruppe des Londoner Instituts. Bereits zu Beginn der Konferenz beeindruckte mich die kollegiale, wohlwollende Atmosphäre und die Qualität des fachlichen Austauschs. Anschließend präsentierte Fakhry Davids selbst einen eigenen Fall.

Am Samstag stellten zunächst ein Berliner Kollege, anschließend eine Kollegin aus Regensburg ihre Fälle vor. Die Supervision leitete Rosine Perelberg aus der freudianischen Gruppe. In der Nachmittagspause konnten wir nach diesen beiden Fallvorstellungen innehalten und etwas Zeit haben, die Atmosphäre der Stadt zu erleben. 

Am Samstagabend besuchten wir das Freud Museum. Der Abend begann mit der Filmvorstellung von „Eternal Sunshine of the Spotless Mind" (Regie: Michel Gondry). Gemeinsam mit Donald Campbell tauschten wir uns über den Film aus. In der psychoanalytischen Interpretation wurden Themen wie Vergessen, Erinnern, Trauern und die Notwendigkeit der Fähigkeit zu trauern diskutiert. Nach jahrelanger Begleitung durch Don Campbell nahmen wir somit Abschied von ihm. Die Konferenz öffnet sich damit neuen Gestaltungen. 

Nach der vielfältigen und kreativen Diskussion durften wir die Räume des Hauses von Sigmund Freud besichtigen. Ich war das erste Mal in diesem Museum, daher war es für mich besonders inspirierend, das Haus zu sehen, in dem er nach seiner Flucht vor den Nationalsozialisten im Exil die letzte Phase seines Lebens verbracht hatte. Sein Arbeitszimmer mit der berühmten Couch und dem Teppich darauf sowie seine archäologischen Figuren aus nächster Nähe zu betrachten, war ein eindrucksvolles Erlebnis. Besonders der dicht geknüpfte Teppich, der aus Izmir kam, zog meinen Blick auf sich – ein Ergebnis jahrelanger, geduldiger Arbeit, Knoten für Knoten, nicht unähnlich der psychoanalytischen Arbeit selbst. Seine abstrakten geometrischen Muster luden zu freien Assoziationen ein. In der oberen Etage durften wir sogar die Nachbildung der Couch und des Sessels benutzen, die für den Film „Freud's Last Session" angefertigt wurden. Der Abend klang mit Fingerfood und Drinks im Garten aus. Dort hatten wir die Möglichkeit, mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland ins Gespräch zu kommen.

Am Sonntag arbeiteten wir unter Supervision von Helen Johnston aus der unabhängigen Gruppe an einer Kasuistik, die eine Kollegin aus Offenbach vorstellte. Zudem präsentierte Helena Johnston selbst einen Fall. Beide Fälle boten Raum für zahlreiche Diskussionen, die zu einem hilfreichen Austausch führte. Zum Abschluss fand eine gemeinsame Rückschau statt. Von vielen wurde die organisatorische Struktur der Tagung als sehr hilfreich empfunden, bei gleichzeitiger Offenheit für künftige Weiterentwicklungen. Auch die Beibehaltung des Freud Museums als Veranstaltungsort wurde ausdrücklich gewünscht.

Ich persönlich erlebte die Vorstellung der Fälle in englischer Sprache als eine bereichernde Erfahrung. Die Übersetzung der Protokolle diente vermutlich auch der Triangulierung und bot die Möglichkeit, den Fall mit sprachlichem Abstand aus anderen Perspektiven zu betrachten. Ferner war es für mich sehr lehrreich, die Arbeit von Kolleginnen und Kollegen vom Londoner Institut kennenzulernen und mit ihnen über die Fälle zu diskutieren. Für diese bereichernden Tage möchte ich allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie den Organisatoren herzlich danken. Ich habe mich entschlossen, diese Veranstaltung immer wieder zu besuchen. Allen DPG-Mitgliedern würde ich herzlich empfehlen, diese besondere Atmosphäre und Erfahrung selbst zu erleben.

Dr. Arif Örsal, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychoanalytiker

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