KtK London

von DPG

Kasuistisch- technische Konferenz London im Freud- Museum vom 17.-19. Juni 2022

Nach zweijähriger, pandemiebedingter Präsenzpause – im vergangenen Jahr fand die Konferenz online statt – haben sich ungefähr dreißig interessierte Kolleg:innen erstmals wieder in London getroffen und die 24. Kasuistisch-technische Konferenz miterlebt und -gestaltet.

Federführend in der sachkundigen Vorbereitung und reibungslosen Durchführung war das seit vielen Jahren bewährte Team der DPG AG für Psychoanalytische Kasuistik, dem wir an dieser Stelle sehr herzlich für sein Engagement danken möchten!

Erfreulicherweise konnte die gesamte Konferenz im Freud-Museum stattfinden, dessen Räume immer noch eine besondere Aura besitzen und dessen Garten im Juni eine grüne und schattige Oase ist.

Am Freitag begann die Konferenz mit einer Falldarstellung von Silke Laue aus Frankfurt, welche von Fakhry Davids besprochen wurde. Es war sehr lehrreich, erleben zu können, wie die vielschichtige Kasuistik von Frau Laue vor dem Hintergrund der kleinianischen Lesart von Psychodynamik abgebildet wurde. Fakhry Davids hat uns dann einen ganz aktuellen Fall aus seiner Praxis vorgestellt, welcher lebhaft diskutiert wurde.

Der Samstag wurde mit der Kasuistik von Sabrina Bergner aus Berlin eröffnet; an Stelle von Rosine Perelberg, welche verhindert war, hatte Jan Abram zugesagt, welche sich in ihrem psychoanalytischen Denken intensiv mit dem Beitrag Winnicotts auseinandergesetzt hat. Die Methode der Falldiskussion bestand vor allem aus den freien Einfällen der Teilnehmer:innen, mit deren Hilfe sich ein unbewusster Zugang zum Fall entwickeln sollte. Es entstand eine rege, gemeinsame kognitive und empathische Arbeit, deren Ergebnisse für die Referentin weniger direkt als mittelbar erfahrbar werden. Auch Jan Abram stellte uns im Anschluss einen Fall aus ihrer langjährigen Praxis vor.

Nach der Pause am Nachmittag traf sich die Gruppe zur Filmvorführung und -besprechung unter der bewährten Leitung von Don Campbell. „Heavenly Creatures“ von Peter Jackson (1994) hieß das Werk und hat deutliche Spuren im Inneren des Publikums hinterlassen. Das gesellige Zusammensein im Anschluss, an dem auch Jan Abram, Michael Brearley und Don Campbell teilnahmen, wurde als außergewöhnlich gelobt, nur das Wetter ließ an diesem Abend leider Wünsche offen.

Der Sonntagvormittag gehörte der Fallvorstellung von Eva Rosenau, die von Michael Brearley von der Independent Group diskutiert wurde. Auch hier konnten wir nach der anregenden Kasuistik von Frau Rosenau an der aktuellen psychoanalytischen Arbeit von Michael Brearley teilhaben.

Insgesamt haben wir sehr inhaltsreiche und für unsere psychoanalytische Arbeit anregende Tage erlebt. Die reale Begegnung miteinander war allen eine große Freude und Bereicherung. Auch wenn die Gruppe diesmal kleiner war, soll die Tradition der ktK London im nächsten Jahr – dem Silberjubiläum! – fortgesetzt werden, was wir sehr begrüßen. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass sich ein erfreulicher Prozess entwickelt hat, den unser Vorsitzender, Klaus Grabska, sinngemäß so beschrieben hat: die DPG – Teilnehmer:innen kommen nicht mehr nur als Lernende nach London, sondern unsere dortigen psychoanalytischen Kolleg:innen  können und wollen auch von unseren Gedanken und Anregungen profitieren.

Diese Beidseitigkeit im Austausch empfinde ich als verlockenden Ausblick!

Thomas Litz, 28.06.2022 

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