Rundbrief des Vorsitzenden an die Mitglieder und Kandidaten der DPG

von DPG

An die Mitglieder, Kandidatinnen und Kandidaten der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Kandidatinnen und Kandidaten,

schon lange erleben wir nun eine schwere Zeit der Ungewissheit, der schwer erträglichen Abfolge von Lebenseinschränkungen, deren Aufhebung und der erneuten Einschränkungen, der selten Sicherheiten vermittelnden Diskussionen und der grundsätzlichen gegenseitigen Infragestellungen in Politik und Gesellschaft. Wut, Angst und Depression, insbesondere auch existentielle Unsicherheit, stellen den Zusammenhalt, den wir gerade jetzt brauchen, um diese pandemische Krise genügend gut bewältigen zu können, emotional auf eine Dauerprobe.

Manche von uns sind selber am Corona-Virus erkrankt, manche von uns beklagen auch den schmerzlichen Verlust von verstorbenen Angehörigen oder Freunden. Dies ist alles belastend und ängstigend. Angst kann die Gefährdung in ein phantasiertes Übermaß mit verfolgender Qualität steigern, Verleugnung kann die Gefährdung gefühlt minimieren, aber real erhöhen. Was ist das wirkliche Ausmaß der Gefährdung? Statistische Zahlen und Wahrscheinlichkeiten geben eine Orientierung, aber Ungewissheit bleibt. 

Zum Glück sind die meisten bisher verschont und gesund geblieben. Es gibt Möglichkeiten mit einem sich schützenden Verhalten auch den anderen zu schützen, ohne dass wir damit allerdings alles unter Kontrolle haben können. Nun gibt es eine Aussicht auf eine Impfschutzmöglichkeit und damit für viele von uns auch Hoffnung. Andere bleiben skeptisch und sind sich unsicher, ob sie sich auf einen noch unerprobten Impfstoff einlassen möchten.

Wir leben in einem kaum auflösbaren Dilemma: Niemand möchte jemanden mit Ansteckung gefährden, niemand möchte selbst gefährdet werden, aber Abstand und Isolation voneinander können keine permanente Lösung sein, würde dadurch doch selbst ein Zustand von belastender, gar schädigender Deprivation herbeigeführt werden.

Die Anforderung an den Einzelnen, dieses Spannungsfeld zu tolerieren und sich darin zu bewegen, ist groß. Und der Wunsch danach, es durch die eine ideale Lösung auflösen zu können, ebenfalls. Allerdings gibt es die ideale Lösung offensichtlich nicht.

Daher wünsche ich Ihnen zum Jahresausklang, dass Sie - zusammen mit anderen, denen Sie nahestehen und in deren Kreisen Sie sich bewegen - für das eigene Leben gute situative Lösungen finden werden und dass Ihnen auch unter den gegenwärtig restriktiven Bedingungen eine Weihnachtszeit möglich sein wird, an der Sie sich an persönlicher Begegnung und privatem Austausch - sei es in Präsenz oder medial vermittelt - erfreuen und diese sehr besondere Zeit ohne zu starke Eintrübung genießen, sich erholen und auf Wesentliches besinnen können.

Auch wenn der Rückblick auf das vergehende Jahr mit Traurigkeit und Bedauern über das, was nicht mehr zu leben möglich war, versetzt sein wird, so wünsche ich Ihnen beim Ausblick auf das neue Jahr, dass er von der Hoffnung und dem Vertrauen getragen wird, ein Leben ohne pandemische Gefährdung und mit der Möglichkeit gemeinsamer Präsenz zurückgewinnen zu können.

Schöne Feiertage und einen guten Übergang ins neue Jahr wünscht Ihnen

Ihr

Klaus Grabska (Vorsitzender) 

Hamburg, den 15. Dezember 2020

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