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Gleich zu Beginn am Freitag hatten wir einen ganzen Nachmittag für einen Behandlungsfall, vorgestellt von Sarit Kreutzer aus Nürnberg. Bereichert wurde die Diskussion durch die wie immer warmherzigen, klaren und nachdenklich stimmenden Anmerkungen von Irma Brenman Pick, die daran sichtlich Freude hatte. In der Diskussion konnten wir herausarbeiten, wie wichtig es ist, zu erfassen, mit welchem „state of mind“ ein Patient in die Stunde kommt und im Blick zu haben, dass manche Patienten lieber an einem „bad object“ festhalten, als ein gutes zu finden, das sie vermissen könnten. 

Am Samstag stellte Stephan-Sebastian Scherer aus Münster eine analytische Behandlung vor, und es war sehr hilfreich, Rosine Perelberg mit ihrer fundierten Kenntnis der französischen Psychoanalyse dabei zu haben, denn die Konzepte des „pensée operatoire“ und der Arbeit des Negativen erwiesen sich für das Verständnis des Falles als sehr weiterführend. Rosine selbst stellte  uns anschließend Ausschnitte aus einer Behandlung vor, bei der ihre Technik des Arbeitens in der Übertragung, ohne diese jedoch vorrangig anzusprechen, dem um seine Identität ringenden Patienten den nötigen Entwicklungsraum gab.

Am frühen Samstagabend – neu war der freie Nachmittag – trafen wir  uns im Garten des Freud Museums. Bei wunderbarem Sommerwetter und delikatem Imbiss entstand eine Stimmung wie auf einem englischen Gartenfest, und manch einer wäre dort gerne noch für Stunden bei kühlem Weißwein plaudernd sitzen geblieben. Doch wir wollten den faszinierenden Film „Shame“ sehen, in der Regie von Steve McQueen, mit Michael Fassbender als Protagonist in beeindruckender Darstellung. Anhand der Abfolge von Szenen, der Verbindung von Bild und Musik, gab Don Campbell nicht nur eine psychoanalytische Sicht auf die Hauptfigur mit ihrer sexuell-perversen Gefühlsabwehr und inzestuösen geschwisterlichen Verstrickung,, sondern stellte auch die Kunst des Regisseurs dar. So verband sich eine detaillierte Filmanalyse mit einem psychoanalytischen Blick auf die seelischen Abgründe der Protagonisten und auf einen Teil der Subkultur New Yorker Geschäfts,- Bar,- und Bordellwelt. 

Am nächsten Morgen haben wir erstmals Rosemary Davies in unserer Runde begrüßt. Die Diskussion des von Patricia Lehnert aus Saarbrücken vorstellten Falles konzentrierte sich auf das Konzept der „toten Mutter“ von Andre Green. Es stellte sich  heraus, dass das Bestreben, die Mutter am Leben zu erhalten, auch ein Festhalten an Allmachtsvorstellungen bedeuten kann und Schutz vor der eigenen Aggression. Einleitend zu ihren Erfahrungen mit einer Patientin berichtete Rosemary über den Mythos von Odysseus, in dem es um einen Vater geht, dessen Handeln ursprünglich davon bestimmt ist, dem Sohn die Familie zu erhalten, während es im Ödipus-Mythos um einen Vater geht, der aus Angst vor tödlicher Rivalität den Sohn aussetzen lässt.

Die nächste kasuistisch-technische Konferenz in London wird wieder am 3. Juni-Wochenende stattfinden, vom 15. – 17.6.2018. Sie sind herzlich eingeladen! 

Irene Bozetti, Bremen