Linkes Bild: A.-M. Sandler (2.von links) und Jochen Haustein (Referent), Diskussion über Freuds Arbeit "Vergänglichkeit".  Rechtes Bild: Festabend - Würdigung und Abschied von Anne-Marie Sandler.

In der Diskussion des Freud-Textes „Vergänglichkeit“ am Freitagabend vermittelte sich bereits eine Atmosphäre nicht nur des traurigen Abschieds, sondern auch der Freude und Dankbarkeit über das durch sie und mit ihr Erfahrene. Anne-Marie Sandler hat uns das Zuhören gelehrt, die Anerkennung der Mikroschritte des Verstehens und der Mikroschritte der Regulierungsmöglichkeiten bei Patienten. Aus der tiefen Überzeugung heraus, dass sie in der Arbeit mit Patienten gemeint und nicht gemeint ist, aus der Zwischenschicht der Übertragung heraus, geht es ihr um die Berührung mit dem infantilen Selbst. Dem Auftauchen der infantilen Welt in der lebendigen Erfahrung mit dem Analytiker und damit dem Erkennen der Individualität des Patienten schreibt sie die größte verändernde Wirkung zu.

Es hat wieder gut gepasst, denn bei den Fallvorträgen war beeindruckend zu sehen, wie Patienten das in Kontakt kommen mit der infantilen Welt gleichzeitig suchen und vermeiden und wie sich dies mit Fragen bzw. Problemen des Setting verbindet.

Zwischen den beiden am Samstag vorgestellten Kasuistiken von Christoph Frühwein (Bremen) und Klaus Grabska (Hamburg) und denen von Eva Schmid-Gloor und Anne-Marie Sandler selbst am Sonntagvormittag lag der Festabend. Im mit Kerzenlicht erleuchteten Wintergarten des Restaurants „Zur historischen Mühle“ kamen die Teilnehmer der Konferenz und die geladenen Ehrengäste zusammen, um sich feierlich, nicht von Anne-Marie Sandler, aber von der Arbeit mit ihr zu verabschieden. Neben den Reden von Bernd Gutmann, Ingo Focke, Jürgen Körner und Franz Wellendorf sprachen spontan einige Mitglieder über ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Anne-Marie Sandler. Dabei wurde sehr deutlich, wie bedeutsam sie nicht nur für die Geschichte der kasuistisch-technischen Konferenzen innerhalb der DPG ist, sondern auch für den Prozess der Annäherung an und die Aufnahme in die IPV.

Anne-Marie Sandler liebt Opern. Die DPG schenkte ihr Karten für das Royal Opera House in Covent Garden –eine Person wird mit ihr gehen - und ein mit Fotos illustriertes Heft über alle 26 Orte der „KTK AMS“.

Die deutschsprachigen kasuistisch-technischen Konferenzen werden weitergehen – in anderer Form. 2017 wird die Konferenz in Brüssel stattfinden (17. bis 19. November) im EPF-Haus. Eva Schmid-Gloor wird dabei sein und voraussichtlich auch Serge Frisch.

Irene Bozetti, Bremen

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