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Bericht von der 50. Internationalen Konferenz der IPA in Buenos Aires „Intimacy“

Vom 25. bis zum 29. Juli 2017 währte die alle zwei Jahre in einer der drei Regionen der IPA (Nordamerika, Südamerika, Europa) stattfindende Konferenz der IPA in Buenos Aires. Die Tagung war geprägt durch den Abschied des verbindlichen, in der DPG weithin bekannten und geschätzten italienischen Präsidenten, Stefano Bolognini und seiner engagierten Stellvertreterin, Alexandra Billinghurst aus Schweden und den Übergang zur Präsidentschaft der Südamerikanerin Virginia Ungar aus Buenos Aires, Argentinien, und ihres Stellvertreters Sergio Nick aus Rio de Janeiro, Brasilien. Im Board der IPA geblieben ist der vor zwei Jahren in Boston gewählte Schatzmeister Andrew Brook. Virginia Ungar ist die erste Frau, die den Vorsitz der IPA innehat. Dies wurde besonders begrüßt und bejubelt.

Im Vorfeld der Vorstandsitzung, des Boards der IPA, am Montag gab es einige Aufregung um die Erweiterung der Ausbildungsstandards der IPA. Die Italienische Gesellschaft, Stefano Bolognini berichtetet darüber in dem Interview mit Anna Ursula Dreher (Link), hatte bereits früher einen Versuch mit einer evaluierten Reduktion der Frequenz (3 statt 4 Wochenstunden) des zweiten Ausbildungsfalles gemacht und war mit diesem Modellprojekt damals vom Board der IPA abgewiesen worden. Da es in mehreren Gesellschaften, die nach dem Eitingon-Modell ausbilden - insbesondere in Lateinamerika und Südeuropa und in Zusammenhang mit einem sich drastisch verschlechternden ökonomischen Umfeld - zunehmend Probleme mit der Durchführung 4- und 5-stündiger Ausbildungsfälle gibt und wenige IPA-Gesellschaften (Frankreich, Uruguay) in ihren Ausbildungsmodellen schon immer eine niedrigere Frequenz für Lehranalyse und Ausbildungsfälle in ihren Ausbildungsrichtlinien festgelegt haben, wurde die Diskussion über die Minimalstandards der IPA-Ausbildung hinsichtlich der wöchentlichen Stundenfrequenz im Eitingon-Modell erneut aufgenommen. Nun wurde in der Sitzung des 24-köpfigen Boards am 26. Juli 2017 abschließend abgestimmt: neunzehn Mitglieder waren für eine Veränderung und Erweiterung der Ausbildungsstandards, nur vier dagegen. Die IPA-Gesellschaften werden nach einer Änderung der Ausbildungsstandards der IPA mehr Spielraum haben. Sie können dann in Übereinstimmung mit den Ausbildungsstandards der IPA entscheiden, welche Bedingungen sie innerhalb des Frequenzrahmens von „drei bis fünf“ Wochenstunden für ihre IPA-Ausbildung, d.h. für die Lehranalyse und die beiden Ausbildungsfälle, in Zukunft festlegen. 

Das Tagungsthema war „Intimacy“. Im Zentrum der Vorträge standen Ängste, äußere und innere Widerstände bei Analysanden und Analytikern bei der Herstellung einer notwendigen intimen Beziehung, die den offenen Austausch von Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen, schließlich die freie Assoziation in der Analytischen Beziehung erst ermöglicht. In Plenarvorträgen, Panels und Arbeitsgruppen wurde das Tagungsthema vertieft und auch im Hinblick auf die Auswirkungen der neuen Medien diskutiert und durchgearbeitet. Großveranstaltungen und Arbeit in kleinen Gruppen, Kongresssprache war Englisch, ergänzten sich. Die Fülle der Veranstaltungen zu beschreiben würde den Rahmen des Berichtes sprengen. 

Eine detaillierte Übersicht und die Plenarvorträge gibt es auf der Homepage der IPA, dort sind auch viele Bilder und Videos von der Tagung, den Preisverleihungen, der Auftakt- und der Schlussveranstaltung mit einer programmatischen Ansprache der neuen Präsidentin Virginia Ungar, die auch für eine Stärkung der Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenanalyse in der IPA eintritt. http://www.ipa.world/IPA/BuenosAires/webcontent_2017/After_Buenos_Aires.aspx

Als Meilensteine der vergangenen Amtszeit betrachtet Stefano Bolognini eine die verschiedenen Strömungen in der IPA darstellende aktualisierte Homepage der IPA mit einer eigenen Online-Zeitschrift „Psychoanalysis today“ http://www.psychoanalysis.today/de-DE/Home.aspx# und der ersten Internationalen Enzyklopädie psychoanalytischer Schlüsselbegriffe des „Interregionalen Psychoanalytischen Wörterbuchs der IPV“ das als eBook auf der Homepage der IPA - auch auf Deutsch - schon teilweise veröffentlicht ist. https://online.flippingbook.com/view/195892/

Neben der Tagung gab es viele persönliche Eindrücke aus einer Weltstadt voller gesellschaftlicher Widersprüche am anderen Ende der Welt, mit einer Gegenwart mit weitgehender Armut, mit Kunst, Jazz und Tango und einer noch sehr präsenten, schmerzvollen Erinnerung an die Willkür einer Militärdiktatur, die in einer eigenen Veranstaltung vor Ende der Tagung, in der es um das Schicksal der Kinder der „Verschwundenen“ ging, lebendig wurde.

Der 51. Kongress der IPA wird in zwei Jahren in Europa, in London, zum Thema „The Feminine“ stattfinden. In London befindet sich im „Lexicon“ auch das neue „Headquarter“ der IPA.

Gisela Zemsch, Klaus Grabska und Thomas Wesle