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Wenn Zeit nicht alle Wunden heilt... Trauma und Transformation

Vom 31.5. bis 03.06. Hamburg

Die diesjährige Jahrestagung nahm sich inhaltlich dem komplexen Thema Traumaan und dies im Bezugsrahmen ZeitWundeHeilenund Transformation. Eine zunächst medizinisch-körperlich anmutende Referenz: das Trauma als eine Wunde, die über die Zeit hinweg heilt und die Möglichkeit einer Transformation beinhaltet. Jedoch, was passiert wenn dies nicht gelingt: Wenn die Zeit nicht alle Wunden heilt...

Die Tagung fand im sonnigen und regnerischen Hamburg statt, sie fand an einem Ort statt der zunächst unzugänglich schien – das Tagungshotel wirkte in einer beschädigten weiten Brachlandschaft zu liegen-, dann die Enge und Dichte im Foyer, hin zu den einzelnen Tagungsräumen mit den instruktiven, kreativen, vielfältigen und kontroversen Vorträgen und Seminaren, den Kasuistiken und weiter zu den bereichernden Gesprächen und Begegnungen außerhalb der Tagungsbeiträge. Es war beeindruckend wie bedeutend sich der BegriffTrauma, dessen psychoanalytische Konzeptualisierung und der klinisch-praktischen Relevanz zeitlos in den verschiedenen Strömungen der Psychoanalyse und ihrer vielfältigen Anwendungsbereichen zeigt. Es schien als sei das Konzept Traumaein metapsychologischer Begriff. Nicht nur aufgrund der aktuellen Brisanz in der Diskussion zwischen Trauma, Flucht und Migration – es ist sehr zu begrüßen dass sich die Psychoanalyse mit der Jahrestagung in diese politische und gesellschaftliche Diskussion einmischt- sondern auch in Hinblick auf die psychoanalytische Theorienbildung. Es ging auch um die Transformation von Freudschen Begriffen innerhalb der Psychoanalyse im historischen Kontext. 

Dem Organisationskomitee der Jahrestagung 2018 ist es wunderbar gelungen das Thema Traumainterdisziplinär und umfassend zu beleuchten: sowohl historisch, philosophisch, psychologisch und kulturtheoretisch als auch klinisch, theoretisch und selbstkritisch im Umgang mit den Traumatisierung innerhalb der (institutionellen) Psychoanalyse. Für mich ist es persönlich stets bewegend und beeindruckend wie sich die DPG in ihrer Vielheit und ihrem Pluralismus selbstkritisch und selbstbewusst öffnet und diese Jahrestagung hat dies erneut gezeigt. 

Erwähnenswert ist ebenso das spannende Rahmenprogramm mit den auf Hamburg ausgerichteten Besonderheiten: Wasser und Hafen, Elphiund Kultur, St. Pauli und Grindel­viertel. 

Wenn die Zeit nicht alle Wunden heilt... betont den aktiven Prozess und die Un-Endlichkeit im Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten in der unumgänglichen Begegnung mit dem Anderen und dem Eigenen. Diese Realität ist meiner Ansicht hervorragend vermittelt worden. 

Einen ganz herzlichen Dank an die Vorbereitungsgruppe, an all die aktiven Beteiligten – von den sichtbaren Vortragenden bis hin zu den vielen unsichtbaren Mitwirkenden-  und an die in diesem Jahr überwältigende Anzahl von Teilnehmer*innen. 

Dr. Bernd Heimerl, Berlin